Liebe HSP-Gemeinschaft
Die Uniklinik zu Erlangen hat die Ergebnisse einer HSP-Studie veröffentlicht, an deren Erarbeitung sich zahlreiche HSP’ler aus unserer Interessengemeinschaft und an deren Finanzierung auch unser Förderverein beteiligten. Ziel dieser Studie war es, Gangzyklusparameter
Zusätzliche Hinweise:
Das vorgestellte tragbare Sensorsystem liefert Parameter der Schrittcharakteristika, die klinisch valide Gangstörungen bei HSP widerspiegeln. Aufgrund der Machbarkeit hinsichtlich Zeitaufwand, Platzbedarf und Kosten bildet diese Studie die Grundlage für größere Längsschnitt- und Interventionsstudien bei HSP.
Diese Arbeit wurde vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), von anderen Unterstützern und auch vom Förderverein für HSP-Forschung finanziert. Die Publikation ist im Langtext hier per Klick aufrufbar.
Unten ein paar Eckdaten.
Herzliche Grüße
Rudi
Zusammenfassung der Publikation
- Problemstellung: Die neurologische Untersuchung und die bisher standardmäßig genutzte klinische Bewertungsskala (Spastic Paraplegia Rating Scale, kurz SPRS) hängen stark von der subjektiven Einschätzung des Untersuchers oder der Tagesform des Patienten ab.
- Methodik: Patienten mit HSP sowie gesunde Kontrollpersonen absolvierten in der Studie einen standardisierten Gehtest (4 × 10 Meter). Dabei trugen sie mobile Sensoren an den Schuhen. Ein spezieller Algorithmus wertete die Gangparameter (z. B. Schrittlänge, Zyklizität und Symmetrie) vollautomatisch aus. Zudem wurden Fragebögen zur Lebensqualität und Sturzangst erfasst.
- Hauptergebnis: Die gemessenen sensorbasierten Gangparameter korrelierten stark mit der klinischen SPRS-Skala, der Sturzangst und der subjektiven Lebensqualität der Patienten. Zudem zeigte eine einjährige Verlaufsbeobachtung bei schnell fortschreitenden HSP-Formen, dass die Sensoren selbst minimale Veränderungen der Gehfähigkeit präzise und objektiv erfassen können.
Konkrete Vorteile für HSP-Patienten
Die Ergebnisse dieser Studie bringen direkte und langfristige Verbesserungen für den klinischen Alltag und die Lebensqualität von Betroffenen mit sich:
- Objektive Therapiekontrolle: Medikamentöse Therapien (z. B. Antispastika oder Botulinumtoxin) und Physiotherapien können durch die objektiven Daten der Schuh-Sensoren präziser auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.
- Erkennung von Sturzrisiken: Die Sensoren messen subtile Asymmetrien und Unregelmäßigkeiten im Gangbild. Dadurch können Ärzte frühzeitig ein erhöhtes Sturzrisiko erkennen, noch bevor es zu gefährlichen Stürzen im Alltag kommt.
- Bessere Anpassung von Hilfsmitteln: Die Auswirkungen von Gehstützen, Orthesen oder Einlagen lassen sich mithilfe der digitalen Ganganalyse exakt vergleichen, um die bestmögliche Mobilitätshilfe für den Patienten auszuwählen.
- Schonung der Kräfte im Alltag: Da das Messsystem mobil und unkompliziert ist, reichen kurze, alltagsnahe Gehtests aus. Aufwendige und für HSP-Patienten extrem ermüdende Laboruntersuchungen entfallen.
- Beschleunigung der Medikamentenforschung: Für zukünftige klinische Studien zu neuen, krankheitsmodifizierenden Medikamenten bieten diese Sensoren hochempfindliche Messwerte. Das bedeutet, dass die Wirksamkeit neuer Wirkstoffe schneller und verlässlicher nachgewiesen werden kann.

